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Der Sport war sein Türöffner

Foto: Dirk Rellecke

Besondere Ehrung im Rathaus: SSV-Ehrenmitglied Matthias Brumby als „Verdiente Persönlichkeit des Paderborner Sports“ ausgezeichnet. Die Laudatio hielt Bernd Kürpick, langjährigerWeggefährte bei der TuRa Elsen und Freund. 

Extremschwimmer André Wiersig referierte über sein jüngstes Projekt auf den Seychellen. Tom Brand erzählte von seinem Weltrekord im Fallschirmformationsspringen in Florida. Der Bürgermeister und ehemalige Leichtathlet Stefan-Oliver Strate freut sich auf seine Teilnahme über 5 Kilometer beim Osterlauf, wo er gegen Uni-Präsident Prof. Dr. Matthias Bauer und Landrat Christoph Rüther antritt. Die Paderborner Sportlerehrung hatte viele Geschichten.

Die größte aber schrieb ein anderer. Der Höhepunkt am Freitagabend im Rathaus war die Auszeichnung „Verdiente Persönlichkeit des Paderborner Sports“. Geehrt wurde Matthias Brumby, der bei der Jahreshauptversammlung im Herbst von Lena Wobbe als stellvertretende Vorsitzende des Stadtsportverbandes abgelöst worden war. Der SSV-Vorsitzende Mathias Hornberger sprach von einem „besonderen Menschen, der im Paderborner Sport große Verdienste im Bereich Inklusion hat“.

„Es gibt Menschen, die stehen gern im Mittelpunkt. Und es gibt Menschen, ohne die vieles gar nicht stattfinden würde –obwohl sie selbst nie den Mittelpunkt gesucht haben. Die heute zu ehrende Persönlichkeit des Paderborner Sports gehört eindeutig zur zweiten Gruppe. Wir sind hier, um diese bedeutende Persönlichkeit ganz bewusst in den Mittelpunkt zu stellen. Ich freue mich besonders, dass mir die Ehre zuteil wird, meinen langjährigen Wegbegleiter im Sport, aber auch einen meiner besten Freunde ehren zu dürfen. Wir im Saal kennen diese Persönlichkeit alle und freuen uns jetzt gemeinsam mit ihm und seiner Familie über seine hohe Auszeichnung. Herzlichen Glückwunsch, lieber Matthias Brumby“, begann Kürpick seine Rede.

Danach skizierte er das Leben des Geehrten. Brumby zog 1991, kurz nach der deutschen Wiedervereinigung, aus Sachsen-Anhalt mit seiner damaligen Freundin und heutigen Ehefrau Gesine nach Paderborn und fand bei der Firma Benteler im Qualitätsmanagement seinen Platz. „Du bist sehr schnell in Paderborn und insbesondere im Paderborner Sport angekommen. Der Sport war für dich mehr als ein Hobby. Er war dein selbstgewählter Türöffner in eine neue Heimat nach der Wende. Und der Paderborner Sport wurde mit euch, liebe Brumbys, um einiges reicher“, sagte Kürpick. 1993 habe Brumby eine „richtungsweisende Entscheidung“ getroffen: Statt zur Bundeswehr zu gehen, leistete er seinen Zivildienst beim Stadtsportverband Paderborn im Behindertensport. „Du hast dort nicht einfach einen Dienst abgerissen, wie man manchmal so sagt. Du hast vielmehr deinen Weg für die Unterstützung von Menschen mit Behinderungen in unserer Gesellschaft gefunden“, sagte Kürpick. Es folgte folgerichtig eine Übungsleiter-Ausbildung für den Sport mit geistig behinderten Menschen.

Seit 1995 ist der zweifache Familienvater ununterbrochen und verlässlich als Übungsleiter aktiv, insbesondere bei der TuRa. Der Geehrte hat im Behindertenwohnheim St. Marien in Schloß Neuhaus ein attraktives Sportangebot unterbreitet, leitet aktuell eine Sportgruppe für geistig behinderte Menschen in Elsen und hat über zwölf Jahre Sportlerinnen und Sportler mit einer Körperbehinderung gemeinsam mit Johannes Diekhans von der Behindertensportgemeinschaft trainiert. Darüber hinaus koordiniert er ehrenamtlich seit 1996 den Betriebssport in den Caritas Werkstätten Paderborn für über 200 behinderte Sportlerinnen und Sportler in über 20 Sportgruppen. Kürpick: „Das nenne ich verlässliche Kontinuität. Und wer so lange und erfolgreich an der Basis arbeitet wie du, lieber Matthias, der weiß, worauf es ankommt. Und genau deshalb bist du auch als Funktionär für uns so wertvoll. Bereits 1994 wurdest du erster Behindertensportbeauftragter im Stadtsportverband und ab 2003 bis zum Vorjahr warst du stellvertretender Vorsitzender in dieser für unsere Stadt Paderborn wichtigen Institution. Somit warst du 32 Jahre für den SSV tätig. Immer zuverlässig, immer sachlich, immer mit dem Blick auf die Menschen – und nie den Blick auf dein eigenes Ego. Die Ernennung zum ersten Ehrenmitglied im Stadtsportverband in 2025 war dafür der verdiente Dank.“

Brumbys stets professionelle Haltung habe auch seine großen Projekte geprägt. 1998 hat er erstmals die Teilnahme Paderborner Sportlerinnen und Sportler an den Special Olympics in Stuttgart ermöglicht und organisiert. Seitdem nehmen die Wettkämpferinnen und Wettkämpfer mit geistiger Behinderung an diesen nationalen Spielen ohne Unterbrechung teil. Es folgten zahlreiche nordrhein-westfälische, nationale, europäische und internationale Wettbewerbe – etwa in Athen, Dublin, Shanghai, North Carolina und Groningen. „Für viele Athletinnen und Athleten waren das ihre Erlebnisse fürs Leben. Für dich war deine Unterstützung einfach die logische Konsequenz deines Engagements im Integrationssport“, sagte Kürpick.

Neben denWettkämpfen rief Brumby 1998 gemeinsam mit Martin Hornberger und Sascha Wiczynski das Integrative Sportfest ins Leben. „Eine nicht mehr wegzudenkende Veranstaltung im Paderborner Sportkalender, die im Vorjahr zum 27. Mal – du selbst hast keine Veranstaltung verpasst – ausgerichtet worden ist. Immer warst du an vorderster Front mit dabei“, so Kürpick.

Zu erwähnen sind auch noch die Ausrichtung der ersten Special-Olympics-NRW-Spiele im Ahorn-Sportpark und diverse Schwimm- und Leichtathletikfeste sowie Boccia-Wettkämpfe. Im Jahr 2002 dann die Gründung des Fördervereins Special Olympics Paderborn mit Matthias Brumby als Gründungsmitglied. Bis heute gehört er dem Verein als Vorstandsmitglied an. „Dein Wirken war immer nach deinem gleichen Prinzip: Nicht reden – lieber machen“, erklärte Kürpick: „Besonders beeindruckend ist deine Tätigkeit als Mentor und 'Zivi-Chef'. Über 31 Jahre hast du 47 Zivildienstleistende und FSJler eingestellt, begleitet und für den Inklusionssport begeistert. Viele sind dabeigeblieben – freiwillig und aus Überzeugung. „Matthias Brumby hat Inklusion in Paderborn nicht nur gelebt – er hat sie geprägt. Still, bescheiden, verlässlich. Und mit großer Wirkung. Der Paderborner Sport und die Stadt sagen dir Danke und schließen deine Familie mit ein.“

Zum Schluss richtete Kürpick Grüße von der Ehrenvorsitzenden des Stadtsportverbandes, Eva Kremliczek, aus. Sie war es, die Matthias Brumby nach seinem Zivildienst gefragt hatte, ob er nicht dem Stadtsportverband treu bleiben wolle und sich um die Organisation des Behindertensports zu kümmern. „Eine kluge Frage mit Nachhaltigkeit, wie ich finde“, stellte der Laudator fest. 

Die komplette Ehrungsliste sowie weitere Fotos finden sich unter https://www.paderborn.de/sportlerehrung.

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